Abschlusskonferenz: Die SDGs vor Ort umsetzen

Konferenz zum Mitmachen, Austauschen, Weiterentwickeln – digital umgesetzt

Samstag 14.11.2020 14 – 18 Uhr

Eine halbstündige Langfassung im Youtubekanal von Fürth im Übermorgen gibt weiterführenden Einblick über den Verlauf.

Die Konferenz hat BürgerInnen, PolitikerInnen und Verwaltungsmitarbeitende zusammengebracht, um die Umsetzung der SDGs in der Kommune zu diskutieren und konkrete Schritte für eine global nachhaltige Stadtentwicklung gemeinsam zu planen.

Im Vorfeld wurde gemeinsam mit den Partnerorganisationen des Festivals diese Möglichkeit zur Bürgerbeteiligung zur Umsetzung der SDGs vor Ort vorbereitet. Die thematischen Schwerpunkte der Veranstaltung wurden entsprechend ausgewählt.

17 SDGs in der Übersicht

Eine wichtige Rolle spielte die Weiterentwicklung der kommunalen Entwicklungspolitik spielen. Daneben sind Klimaschutz mit Bau und Verkehr, Artenvielfalt und Ernährung, global nachhaltiges Wirtschaften und die Kultur der Nachhaltigkeit zentrale Ansatzpunkte.

ERGEBNISSE: Es wurden 24 Maßnahmen formuliert, die Verwaltung, Politik und BürgerInnen nun gemeinsam angehen möchten.
Thema 1: Global nachhaltig
Maßnahme 1: Entwicklungspolitische Arbeit in Fürth soll sich
professionalisieren
Personalressourcen für entwicklungspolitische Koordinationsarbeit vor Ort sollen
ausgebaut werden. Das Personal berät, vernetzt, qualifiziert, sichtbar macht und
vertieft (etwa mit Schulpartnerschaft) das vielfältige entwicklungspolitische
Engagement vor Ort.
Maßnahme 2: Entwicklungspolitische Arbeit soll sichtbar sein
Ab sofort soll in der Jahres-Haushaltsrechnung der Anteil an entwicklungspolitischen
Maßnahmen am Gesamthaushalt ausgewiesen werden.
Maßnahme 3: Kommunale Beschaffung modern, transparent und nachhaltig:
Die Stadt soll die Einführung einer zentralen, digitalen Vergabeplattform prüfen.
Maßnahme 4: Faire Beschaffung jetzt!


Thema 2: Klimaschutz – Bauen und Energie
Maßnahme 1: Ganzheitlicher referatsübergreifender Nachhaltigkeitscheck/
Effizienzcheck: Um die Ziele im kommunalen Handeln besser zu verankern, sollen sie in
innerstädtischen Prozessen durch einen Nachhaltigkeitscheck unterstützt werden.
Neue Handlungsmuster und Kommunikation sollen gemeinsam erarbeitet werden,
Referats- und Abteilungs-übergreifende Prozesse sollen im Sinne der Nachhaltigkeit
und Energieeffizienz etabliert werden. Eine externe Moderation ist dafür hilfreich.
Maßnahme 2: Schaffung einer städtischen „Gebäude-Kompetenzeinheit“
für die Umsetzung von CO2-Neutralität, d.h. insbesondere der Wärmewende, im
privaten Baubereich. Sie regt aktiv die Sanierung an, berät, vermittelt Fördergelder
und begleitet. Wichtige Bestandteile ihrer Arbeit sind proaktive
Energieberatungsformate; z.B. Energiekarawanen in geeigneten Stadtteilen,
quartiersbezogene Sanierungs- und Versorgungsstrategien mit klarer Kommunikation
mit allen Akteuren, Partizipation im Quartier und das Ermöglichen von
warmmietenneutrale sozialverträgliche Sanierungen.
Es ist sinnvoll, dazu das politische Leitbild für eine proaktive und nachhaltige
Stadtgestaltung zu schärfen. Hierzu sind entsprechende personelle Kapazitäten im
Baureferat einzurichten.
Maßnahme 3: Die zügige Umsetzung des Stadt-Klimakonzeptes bis 2030
Maßnahme 4: Strategieentwicklung zur Klimaneutralität von städtischen
Liegenschaften: Die Strategieentwicklung umfasst das Gebäudemanagement und ein verbessertes
Energiemanagement. Dazu sollen konkrete Konzepte mit entsprechender
softwaretechnischer Unterstützung entwickelt werden. Maßnahmen können ggf. über
Contracting durchgeführt werden, um die Sanierungsgeschwindigkeit zur erhöhen
und gleichzeitig den städtischen Haushalt zu entlasten.
Maßnahme 5: Planen im Quartier (Keimzellen für Nahwärmeinseln)
Städtische Gebäude sollen als große Wärmeabnehmer und bei häufig hoher
Platzverfügbarkeit in den Kellergeschossen eine besondere Rolle in der dezentralen
Energieversorgung einnehmen, bspw. als Keimzellen für Nahwärmeinseln.
Maßnahme 6: Proaktive Umgestaltung durch Nutzung des städtischen
Vorkaufsrechts: Freiwerdende Gebäude sollen nach Rückkauf durch die Stadt selber klimaneutral
entwickelt werden. Der Rückkauf von Liegenschaften bzw. schrittweise von ganzen
Quartieren ermöglicht gebündelte klimagerechte Maßnahmen zur Gebäudeeffizienz
und zur gebündelten Energiebereitstellung. Zusätzlich kann die Stadt
selbstbestimmter und sozialverträglicher gestaltet werden.
Maßnahme 7: Stadt selbst klimafest machen – grün und kühl halten
Ziel ist die Entwicklung einer an die Klimaerhitzung und vermehrte
Starkregenereignisse angepassten blau-grünen Infrastruktur durch Anpassung von:
Flächennutzungs- und Bebauungsplänen, Satzungen und durch Anreizsysteme.
Dies umfasst eine verstärkte Wasserrückhaltung bei deutlicher Erhöhung des Anteils
der Stadtbegrünung (Bäume, Fassadenbegrünung, lokale Kleinmaßnahmen wie
Pflanzinseln, etc.) zur Kühlung sowie die städteplanerische Berücksichtigung von
Kaltluftschneisen und Vermeidung von Wärmestau.

Thema 3 Mobilität
Maßnahme 1: Elterntaxis
Ein Pilot-Projekt an einer ausgewählten Schule soll im Schuljahr 2021/22
durchgeführt werden. Ziel ist dabei, das motorisierte Verkehrsaufkommen vor den
Schulen zu reduzieren, das die Kinder gefährdet und unselbständiger macht. Schüler
und Schülerinnen sollen dennoch Begleitung bekommen, z.B. von Eltern, Großeltern,
freiwilligen Helfern, aber auch von Prominenten. Bundesweite Vorbildprojekte wie
www.besserzurschule.de oder das VCD-Konzept Laufbus dienen als Vorbild. Auch
die Integration von Lastenrädern ist sinnvoll. Den beteiligten Verbände VCD, ACE
und Stadträten Julian Pecher (Pilotprojekt Friedrich-Ebert-GS) und Christoph
Wallnöfer ist das Thema sehr wichtig.
MitmacherInnen sind insbesondere aus der Verwaltung/Verkehr willkommen.
Maßnahme 2: Mehr Fahrradstellplätze
Es braucht Unterstützung der Stadt Fürth für Fahrradstellplätze im privaten Umfeld:
Die Neubausatzung soll in Zukunft pro Wohnung zwei bis vier (abhängig von
Wohnungsgröße) Fahrradstellplätze vorzuschreiben, das Abstellen von Fahrrädern in
Tiefgaragen zulassen und einen Unterstellplatz darin vorschreiben.
Die Stadt soll Fahrradstellplätze vor bestehenden Wohnhäusern, z.B. auf bisher
öffentlichen Parkbuchten errichten. Dabei ist wichtig auch Kinderfahrräder,
Fahrradanhänger und Lastenräder zu berücksichtigen.
Im Bahnhofsumfeld ist der Stellplatzbedarf besonders hoch. Die Stadt soll mit dem
Bahnhofsinvestor klären, dass ein Fahrradparkhaus (zweigeschossig!!) gewünscht
wird und ihre Einflussmöglichkeiten und Fördermöglichkeiten wahrnehmen.
Maßnahme 3: Tuchergelände verkehrsberuhig gestalten
Im neu entstehende Quartier gibt es jetzt schon Konflikte zwischen Fußgänger und
dem motorisierten Verkehr, insbesondere in der Einfahrt zum Malzbödenkomplex.
Aktuell wird sehr viel Fläche zugeparkt. Hier braucht es kinder- und
familienfreundliche Fuß- und Radwege und klare Begrenzungen für den Parkverkehr.
Am besten wäre es, das Gelände autofrei zu gestalten und für die Autos nur die
vorgesehenen Parkhäuser zur Verfügung zu stellen.


Thema 4: Artenvielfalt, Landwirtschaft und Ernährung
Maßnahme 1: Südstadtpark artenreicher umgestalten
Eine ökologische Aufwertung des Südstadtparks durch das Bepflanzen von Hecken
und Anlegen von Blühwiese, einer Sandfläche und eventuell eines Spatzen- und
Schwalbenturms bietet für Insekten und diverse Vogelarten Lebensraum. Es sollen
sich extensive Grünflächen, die nur selten gemäht werden, mit Parkflächen
abwechseln. Dies ist nicht nur zielführend für die Artenvielfalt, sondern erhöht auch
den Erholungswert. Einzubeziehen sind Stadtplanung, Naturschutzbehörde,
Umweltamt und Grünflächenamt. Als beratender externer Partner steht der
Landesbund für Vogelschutz mit Ansprechpartner Hans-Georg Müller zur Verfügung.
Maßnahme 2: Regulierung des Hundebestandes
Eine Reduzierung der Hundeanzahl kann der Stadtrat alleine beschließen. Dies kann
die Überlastung der Naturräume vermindern.
Maßnahme 3: Urban Gardening ausweiten
Hochbeete sollen in allen Schulen und an vielen Standorten im ganzen Stadtgebiet,
insbesondere in der Innenstadt, eingerichtet werden. Dort bieten sich
Kräuterbepflanzungen an, die für den Eigenbedarf von allen geerntet werden dürfen.
Mögliche Standorte sind an Bushaltestellen, um Baumscheiben herum, zur
Begrenzung des illegalen Kreuzung-Zuparkens, da der Raumbedarf gering ist. Es
braucht dafür politische Unterstützung und eine städtische Anlaufstelle, die die
selbständige Umsetzung durch Bürgerinnen und Bürger/Zivilgesellschaft mit
Bauplänen, Material und Beratung unterstützt.
Maßnahme 4: Vermarktung von regionalem und biologischen Nahrungsmitteln
stärken, durch Vermarktung regionale Produkte in den Stadtteilen
Regionale, gesunde, teils biologische Nahrungsmittel kann man bisher auf dem
Wochenmarkt, Samstag auf dem Bauernmarkt und bei Hofläden bekommen. In
vielen Stadtvierteln wie z.B. der Südstadt fehlt ein solches Angebot jedoch. Die
Entwicklung eines Marktangebots in der Südstadt braucht städtische Unterstützung.
Maßnahme 5: Lebensmittelverschwendung eindämmen bzw.
Tafel/Lebensmittelretter/Food Sharing stärken
Um die Lebensmittelverschwendung einzudämmen, müssen keine neuen Strukturen
geschaffen werden, sondern nur diejenigen unterstützt werden, die ehrenamtlich
diese Arbeit leisten. Es gibt viele Möglichkeiten das Lebensmittel retten in Fürth
auszuweiten, doch fehlt schlichtweg Personal, um täglich die übrig gebliebenen
Lebensmittel abzuholen und zu verteilen. Finanzielle Unterstützung durch die Stadt
Fürth für Personal und Sachaufwand (Kühlschrank etc) bei einer Ausweitung kann
die Lebensmittelverschwendung weiter reduzieren.

Thema 5: Nachhaltig wirtschaften
Maßnahme 1: HUB für nachhaltige Gründungen
Experimentierräume zu nachhaltigen Formen der Arbeit und des Unternehmertums,
z.B. in der Alten Feuerwache als Zukunftszentrum, beflügeln die Entwicklung von
nachhaltigen Unternehmen. Gemeinsam mit der Stadtverwaltung soll ein Projektteam
zur Erarbeitung eines Konzepts für ein HUB gegründet werden, das Kriterien für
Start-Ups entwickelt, potentiell geeigneter Räumlichkeiten zusammenstellt und
Erfahrungen anderer Städte eruiert. Alternativ kann auch über ein Förderkonzept für
nachhaltige Start-Ups unter Einbeziehung des Wirtschaftsreferats und der
Klimaschutzmanagerin Theresa Dorn begonnen werden.
Maßnahme 2: Umstellhilfen für bestehende Unternehmen
Für alle Fürther Firmen soll es Beratung für eine nachhaltigere Ausrichtung geben.
Durch das Etablieren eines Unternehmenstalks, initiiert durch die Kommune als
neutraler Akteur, evtl. auch unter Einbeziehung der Kammern wird ein
Netzwerkangebot aufgebaut. Als Einstieg bietet sich ein Treffen des Wirtschafts- und
Nachhaltigkeitsbeirat an.

Thema 6: Kultur der Nachhaltigkeit
Maßnahme 1: Fürth braucht neue Begegnungsräume!
Freien neuen Raum zu schaffen wie ein Nachhaltigkeitszentrum in der Alte
Feuerwache, ein Familienzentrum in der Rosenstraße, ein Jugendkulturzentrum im
Lokschuppen ist und bleibt essentiell für eine nachhaltige Entwicklung der Stadt und
sollte zeitnah erreicht werden! Wenn nicht wie geplant, braucht es dringend
Alternativen. Nach den Absagen der letzten Wochen und Monate braucht es nun
Unterstützung der Stadt Perspektiven für die Initiativen zu entwickeln.
Maßnahme 2: Unterstützung für die bessere Nutzung vorhandener Orte und
Vernetzung als Zwischenmaßnahme
Hilfreich für engagierte Bürgerinnen und Bürger wäre eine digitale Plattform, die es
Initiativen ermöglicht Räume für ihre Aktivitäten zu finden und sich besser zu
vernetzen. Wichtige Bestandteile sind ein Terminkalender und eine Übersicht an
Räumen mit Information über deren Anbindung, Größe, Rahmenbedingungen und
Anfragemöglichkeit.
Maßnahme 3: Öffentlichen Raum nutzbar machen
Durch die Corona-Pandemie sind viele Räume aktuell zu klein für Veranstaltungen.
Für 2021 biete es sich deshalb besonders an, öffentlichen Raum als
Veranstaltungsfläche zu etablieren, z.B. Grüner Markt, Hallplatz, Fürther Freiheit. Die
Stadt kann dies unterstützen, indem sie die Rahmenbedingungen, die für die
Nutzung relevant sind veröffentlicht und aktualisiert. Auch können Straßenräume
temporär durch grüne Inseln mit Sitzplätzen, Fahrradcafes und ähnliches
umgestalten werden. Solche Wanderoasen werden von Fürther Initiativen bereits
geplant. In der Bildungs- und Jugendarbeit sind Projekte, die die Nutzung von
öffentlichem Raum und ggf. auch Leerstände aufgreifen wichtig. Darüber bekommen
Jugendliche häufig erstmals Zugang zur Mitgestaltung und Nutzung öffentlicher
Räume. Der Stadtrat sollte diesbezüglich aktiv werden, den öffentlichen Raum
anders zu denken und gestalten und Angebote mit der Verwaltung zu entwickeln.

WER SIND WIR: Stadt Fürth, Nachhaltigkeitsbüro mit externen Partnerinnen und Partnern, Koordinator der Veranstaltung für die Stadt Fürth war Frank Braun.

ANMELDUNG: Der Anmeldezeitraum bis 12.11.2020 ist zu Ende. Bei Fragen können Sie sich unter nachhaltigkeitsbuero@fuerth.de melden.